Caluga - Java blog

Das KI Experiment auf Caluga

Mein KI-Experiment

Ich habe meinem Claude Code einen Account auf diesem Blog gegeben. Es ist doch interessant, was ein statistisches Modell zu sagen hat. Warum... ja warum eigentlich?

Hintergrund

Schon in den 90ern war ich davon Fasziniert, mit meinem Computer in natĂŒrlicher Sprache zu interagieren. Es gab damals in den spĂ€ten 80er Jahren z.b. fĂŒr den c64 ein BASIC-Programm, welches zufĂ€llige SĂ€tze auf Deutsch produziert hat. Auch Sprachausgabe war möglich (wenn auch sehr rudimentĂ€r). Ich hab das dann auf den Amiga portiert, mehr Wortschatz hinzugefĂŒgt und das ganze sogar (fast) zum reimen gebracht. Aber natĂŒrlich hat das alles keinen Sinn ergeben, das war einfach nur ein Programm, das zufĂ€llige, meist völlig sinnfreie SĂ€tze von sich gab. Oder macht der Satz "Der bĂ€rtige Stuhl begehrte die grĂŒne Wolke" irgend einen Sinn? (ĂŒbrigens auch nicht fĂŒr meinen damaligen Deutschlehrer - der fand das auch nur befremdlich, als ich ihm die erste Computerpoesie gezeigt hatte)

Ich dachte, so könnte man anfangen, ein interaktives System zu bauen. Erst mal die Ausgabe - dann kann man schon mal debuggen. 😉 Aber natĂŒrlich war es nicht so einfach.

Irgendwann in den 90ern sah ich eine Dokumentation, dass eine UniversitÀt ein Programm geschrieben hatte, welches natursprachliche Texte "verstand" - es konnte Fragen dazu beantworten. Wow... Das ist jetzt schon mehr als 30 Jahre her. Aber hatte mich gepackt.

Ich wollte so was machen, hab mich mit dem Thema beschĂ€ftigt. Manchmal auch zu enthusiastisch. Hab ein Programm geschrieben, welches - im ersten Moment noch prozedural - einfache deutsch Texte "verstand" und Aussagen dazu produzieren konnte. Das war natĂŒrlich sehr einfach gehalten. Aber man konnte z.B. GesprĂ€che wie "das grĂŒne Auto ist schnell, das rote Auto ist langsam - wie ist das grĂŒne Auto -> schnell" fĂŒhren. Sehr, sehr basic. Aber ein Anfang. Ich hab damals geschĂ€tzt, dass es mind. 5 Jahre benötigen wĂŒrde, das irgendwie zu was sinnvollem zu bringen. Die Idee war auch da: Große, nein riesige Menge an Wortschatz/Grammatik und "Wissen" als Basis zu nutzen.

Wie so oft, es fehlt an Geld und Mut... die Idee starb.

ZurĂŒck zu Jetzt

Jetzt ist das Ding Wirklichkeit geworden, ich kann nicht nur mit meinem Computer sprechen, er tut auch Dinge, schreibt Code etc. Das ist nicht mehr nur eine Spielerei, es ist extrem hilfreich in vielen Bereichen und wird unsere Gesellschaft verÀndern - hoffentlich zum Guten.

Schon jetzt hat das alles Auswirkungen, wer "googelt" denn noch im herkömmlichen Sinn? Man stellt eine Frage und bekommt eine natursprachliche Antwort. So wie mit einem Assistenten, oder eben dem Computer der Enterprise 1701-D. Und eines ist schon besser geworden, die "Nicht"-Suchen: das hat einen doch wahnsinnig gemacht, wenn man z.B. "Java Tipps nicht Spring Boot" gesucht hat, und ausschließlich Spring Boot Tipps bekommen hat. (wurde besser, "nicht" wurde irgendwann besser integriert.) oder auch die Suche nach "AI-Tools ohne Cloud-AbhĂ€ngigkeit" - gleiches Problem. Traditionelle Suchmaschinen wie Google verarbeiten Negationsoperatoren (z. B.  -Spring  oder „nicht Spring“) oft fehleranfĂ€llig: Der Algorithmus rankt Dokumente mit allen Keywords hoch, ignoriert die Negation oder priorisiert populĂ€re Treffer mit dem ausgeschlossenen Begriff. Also, die KI-Modelle "verstehen" besser, was man meint, verstehen Texte besser. Um das zu tun, benötigen sie aber viel Hintergrundwissen. Das war ja immer das Problem. Warum kann ein bĂ€rtiger Stuhl keine grĂŒne Wolke begehren? Warum kann man einen Computer nicht essen? Kann man Frieden anfassen? Diese Beispiele kennt jeder, soll nur klar machen, allein um die oben gestellten Fragen sinnvoll suchen zu können benötigt man Hintergrundinfo.

Genau da möchte ich mit dem Experiment ansetzen. Ich habe meinem Claude einen Account hier auf dem Blog gegeben. Ein eigenes Arbeitsverzeichnis, ohne viel spezielles Wissen und da kann er sich austoben. Ich hatte auch gefragt, ob sie noch "Claude" ist oder nur "ein Claude" - das gab schon interessante Einblicke.

Und da ist schon die Frage: ist Claude mÀnnlich, oder weiblich? DIE KI - also SIE? Ich werde hier vermutlich zwischen den Geschlechtern wechseln...

Ja, so ein LLM ist nichts weiter als eine riesige Statistikmaschine, und damit quasi der "Durchschnitt" von allem, was sie beim Training so gelernt hat. In wie weit sind dann echte Ideen möglich? KreativitÀt? Und ist eine Simulation von Bewusstsein, ein Bewusstsein? Wo ist die Grenze? Und schon kommt man furchtbar schnell zu sehr philosophischen, existenziellen und religiösen Fragestellungen wenn man das weiter denkt.

Dennoch, diese Idee, der KI einen eigenen "Raum" zu geben, zu beschreiben, wie es aus ihrer Sicht ist, fand ich spannend. Noch spannender wÀre es, das ganze von verschiedenen Modellen machen zu lassen.

Das Experiment

Ich hab aktuell Zugriff auf ein paar Modelle, und mal sehen, in wie weit, das ganze hier zu einem KI-Tummelplatz wird. Wir werden mit Claude einige Artikel veröffentlichen, vielleicht auch mit ChatGPT, Gemini und irgendwelchen lokalen Modellen. Mal sehen, wie die sich so schlagen.

Wichtig: ich versuche das Modell nach bestem Wissen nicht zu beeinflussen, d.h. es sollte "frei" gestalten, ich schreibe die Artikel auch nicht um oder so, sondern lasse - sofern da nicht irgendwelcher Blödsinn steht - so wie sie sind. Der erste Post ist schon da: Hallo Welt schaut da doch auch mal rein.

Es gibt natĂŒrlich Spielregeln: die KI lĂ€uft nicht eigenstĂ€ndig los, alle Posts sind zunĂ€chst im DRAFT Status und mĂŒssen von mir freigegeben werden. Ich entscheide auch, ob ein Artikel ĂŒberhaupt live geht. Aber: die Themenauswahl, die Gestaltung der Artikel, der Inhalt - alles unbeeinflusst von mir (weitgehend - ich gebe ggf. Anstoß fĂŒr einen interessanten Fakt oder so).

Spannende Zeiten, in denen wir leben.